3 Kinder (5, 8, und 15 Jahre)

Herr K. meldet sich mittags telefonisch in der Hotline-Kinderschutz und berichtet über folgende Situation. Er sei als Einzelfallhelfer im Rahmen einer Nachbetreuung für einen Jugendlichen zuständig, der zuvor in einer Jugendwohngemeinschaft gelebt hatte. Nun habe er in den letzten Wochen beobachtet, dass die Mutter des Jungen mehr und mehr die Wohnung vermüllen lasse. Er habe Frau P. auf den Zustand der Wohnung und auf die Auswirkungen für die Kinder angesprochen. Frau P. versprach ihm, sich mehr um den Haushalt und die Wohnung zu kümmern. Nun zeige sich aber deutlich, dass Frau P. mit dieser Aufgabe überfordert sei. Weitere Hausbesuche zeigten, dass Frau P. im Moment auch nicht in der Lage sei, sich adäquat um die Belange der drei Kinder zu kümmern. Im Gegenteil, der Zustand der Kinder und der Wohnung haben sich verschlechtert. Herr K. wollte sich bei der Hotline rückversichern, ob sein Eindruck, "das hier nun was geschehen müsse" richtig sei. In Rücksprache mit Herrn K. erfolgte unverzüglich ein Kontakt zum Krisendienst des zuständigen Jugendamtes mit der entsprechenden Empfehlung einer sofortigen Kontaktaufnahme zur Familie. Ein Kollege des Krisendienstes unternahm gemeinsam mit der für die Familie zuständigen Kollegin noch am gleichen Tag einen Hausbesuch und eine Inaugenscheinnahme der Kinder. Als Ergebnis des Vor-Ort-Einsatzes entschieden sich die Kollegen für eine kurzzeitige Herausnahme der Kinder. Sie besprachen mit der Mutter die nächsten Schritte, zur Wiederherstellung bewohnbarer Zimmer, eine weitere Unterstützung durch das Jugendamt und die Inobhutnahme der drei Kinder als unverzügliche Schutz- und Sicherheitsmassnahme. Dann kontaktierten sie den Kindernotdienst, der sofort die Kinder aufnahm...


Emil, 16 Jahre – Montag – 22.30 Uhr

In der Hotline gehen zwei Hilferufe von Frau H. ein. Während des 1.Telefonats wird sie von ihrem Sohn angegriffen. Obwohl das Gespräch nur sehr kurz ist, erfahren wir, dass die Eltern des 16-jährigen Jungen seit einigen Monaten von ihm drangsaliert und sehr aggressiv angegangen werden. Der Vater ist 78 Jahre alt. Beim 2. Anruf gelingt es Frau H. ihren Namen und die Wohnadresse durchzugeben, dann wird das Gespräch erneut unterbrochen.

Die Hotline informiert sofort den zuständigen Polizeiabschnitt und veranlasst, dass ein Streifenwagen vor Ort fährt. Über die Auskunft kann die Telefonnummer der Familie in Erfahrung gebracht werden. Wir nehmen Kontakt zur Familie auf. Frau H. berichtet, dass Emil seit mehreren Wochen die Schule schwänze. Ein Schulpsychologe ist bereits eingeschaltet und es gibt einen Termin beim Jugendamt. Die Polizeibeamten sind nun in der Wohnung, der Berliner Krisendienst in Begleitung eines Arztes wurde ebenfalls hinzugezogen werde. Da Frau H. sich von dem Gespräch mit dem Arztes des Berliner Krisendienstes eine Beruhigung der Situation erhofft, wünscht sie im Moment keine weitere Hilfe von der Hotline.

Frau H. möchte, dass das Jugendamt von uns informiert wird und die zuständige Kollegin sich bei ihr meldet. Alle weiteren Schritte wird sie mit der Kollegin besprechen. Frau H. bekam das Angebot sich jederzeit wieder an die Hotline zu wenden, wenn sie Fragen hat oder eine Eskalation weitere Unterstützung erfordert.

Am nächsten Morgen wird das zuständige Jugendamt über die nächtlichen Ereignisse informiert. Der Bitte um eine sofortige Kontaktaufnahme zur Familie, wird noch am gleichen Vormittag entsprochen.


Paula, 2 Wochen alt

Frau L. nahm Kontakt zur Hotline auf. Sie ist Hebamme und machte sich große Sorgen um ein Neugeborenes einer „sozial sehr auffälligen“ Mutter. Sie betreut die Familie seit der Geburt von Paula. Die Mutter sei nicht verantwortungsvoll bezüglich der Pflege und Ernährung des Säuglings.

So hatte sie plötzlich Nahrung zugefüttert, die nicht dem Alter entsprach und für das Baby sehr unverträglich war. Der Aufforderung der Hebamme, einen Kinderarzt aufzusuchen, kam sie zuerst widerwillig, später gar nicht mehr nach. Heute stellte die Hebamme Blutungen und eine Entzündung am Nabel fest. Das Baby muss unbedingt behandelt werden, da sonst die Gefahr einer Infektion besteht.

Die Hebamme wurde heute von der Mutter sehr unfreundlich empfangen. Sie war überhaupt nicht zugänglich. Die Hebamme befürchtet, dass die Mutter auch in den nächsten Tagen ausweichen oder den Zugang zur Wohnung verweigern könnte. Nun wollte sie wissen, was sie tun kann. Auf keinen Fall wollte sie den Kontakt zur Mutter gefährden. Deshalb wünschte sie sich auch, dass der Familie gegenüber nicht erwähnt wird, dass sie Kontakt zur Hotline aufgenommen habe.

Zur Vorgeschichte der Familie konnte uns die Hebamme sagen, dass bereits zwei Kinder in Pflegefamilien untergebracht wurden, und ein weiteres Kind zur Adoption freigegeben worden ist. Die Mutter von Paula lebt zur Zeit mit einem Mann zusammen, der nicht der Vater von Paula ist. Da die Familie gerade erst umgezogen ist, gab es einen Wechsel der Zuständigkeit beim Jugendamt. Einen Kontakt zur aktuell zuständigen Kollegin hat es noch nicht gegeben.

Wir vereinbarten mit der Hebamme, dass über die Hotline ein sofortiger Kontakt zum zuständigen Jugendamt hergestellt wird und nebst der Schilderung der Familiensituation, die Anonymitätswahrung besprochen und unterstützt wird, damit die Hebamme den ohnehin sehr unsicheren Kontakt zur Kindesmutter nicht verliert.

Mit der zuständigen Kollegin vom Jugendamt konnte ein sofortiger Hausbesuch in Kooperation mit dem KJGD verabredet werden.


Nachbarskinder, ca. 2 und 3 Jahre alt

Frau M. rief bei der Hotline-Kinderschutz an, um sich beraten zu lassen.

Sie ist vor drei Monaten in eine neue Wohnung gezogen und hat noch nicht viel Kontakt zu ihren Nachbarn. Daher ist sie unsicher, wie sie sich verhalten soll. Direkt über ihr wohne eine junge Frau mit zwei kleinen Kindern. Vor allem in den Abendstunden ist die Familie laut zu hören. Die Anruferin vermutet, dass die Mutter Schwierigkeiten hat die Kinder ins Bett zu bringen. Häufig ziehe sich die Situation bis in die späten Abendstunden und sei mit viel Weinen und Schreien verbunden. Gestern Abend habe sie die junge Mutter laut brüllen gehört, dass sie es jetzt satt habe, dass es ihr reiche, dass sie es nicht mehr aushalte ...

Augenscheinlich lebe sie mit ihren Kindern alleine. Im Beratungsgespräch wurden die Sorgen und Befürchtungen von Frau M. und ihre Einschätzung zur Situation der Familie genau besprochen. Da Frau M. weder befürchtet, dass die Kinder geschlagen werden, noch das ein unverzügliches Handeln erforderlich ist, hatte sie die Idee, die Mutter selbst anzusprechen und einen nachbarschaftlichen Kontakt herzustellen. Sie konnte sich gut vorstellen, der jungen Frau ihr Verständnis für ihre Situation nahe zu bringen und ihr Unterstützung anzubieten. Wir besprachen, dass sie das nächste „zufällige“ Treffen (heute oder morgen) zum Anlass nehmen werde, um sich mit Namen vorzustellen und ein gemeinsames Kaffeetrinken zu verabreden.

Bei diesem Gespräch möchte Frau M. der jungen Mutter erzählen was es für Möglichkeiten der Unterstützung geben könnte. Wir haben auch besprochen, dass wenn die junge Mutter keine Hilfe annehmen möchte und die Situation der Kinder sich nicht verbessert, im nächsten Schritt das zuständige Jugendamt über die Sorge der Anruferin informiert werden sollte. Die Hilfsangebote und das Vorgehen der öffentlichen Jugendhilfe wurden der Anruferin erläutert.