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Willkommen auf der Seite der Fachstelle Kinderschutz

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Mit der Zusammenlegung der öffentlichen Notdienstbereiche für Kinder und Jugendliche wurde die neue Gesamtstruktur des Berliner Notdienst Kinderschutz etabliert. Durch die Zusammenführung dieser Schwerpunktbereiche verfügt das Land Berlin, vertreten durch den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, über ein Notdienst-System, das sich mit allen relevanten Fragen rund um das Thema Kinderschutz beschäftigt. Damit hat der Trägerbezirk in Hinblick auf die Belange des Kinderschutzes gesteigerte Anforderungen an eine fachlich qualifizierte Öffentlichkeitsarbeit zu bewältigen.

Mit Informationsanfragen wenden sich Institutionen wie Schulen, Kitas, Ausbildungsstätten, medizinische Dienste, Polizeidienststellen, die Feuerwehr, Beratungsstellen und besonders die Medien an die Fachstelle. Die Öffentlichkeitsarbeit kommt dem präventiven Kinderschutz zugute. Im Kontext Kinderschutz werden Kollegen beraten, fortgebildet und Praxisfragen zum Kinderschutz erörtert, reflektiert und evaluiert.
Mit verschiedenen Aktionen, Informationsmaterialen, Veranstaltungen, sowie der Präsenz in unterschiedlichen Medien stellt die Öffentlichkeits- und Vernetzungsarbeit auch einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der im § 8a SGB VIII und der im Konzept des Netzwerk Kinderschutz genannten Kooperationsaufgaben dar. Um diese notwendige Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit sicherstellen zu können, ist die Fachstelle eingerichtet worden.

Aufgabenbereiche

  • Öffentlichkeitsarbeit – Berichte/Publikationen, Internet
  • Interne Fortbildungs- und Informationsveranstaltungen – Intervison
  • Fach- und Informationsveranstaltungen, Beratung, Seminare und Supervion zum Kinderschutz
  • Fachliche Vertretung in verschiedenen Arbeitskreisen und Gremien
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Gemeinsame Arbeitsleitlinien und Qualitätsentwicklung

Aufgrund der Aufgaben der Notdienste, die im Umgang mit dem sensiblen Rechtsbereich des grundgesetzlich geschützten Elternrechtes angesiedelt sind, ist in besonderer Weise sicher zu stellen, dass in der Ausübung des staatlichen Wächteramtes dem Verhältnismäßigkeitsprinzip getreu gehandelt wird. Die dafür notwendigen Qualitätsstandards und Arbeitsleitlinien müssen daher gemeinsam weiterentwickelt und stets einer kritischen Betrachtung unterzogen werden, um sowohl neue wissenschaftliche Erkenntnisse als auch die berlin- und bundeseinheitlichen Standards zum Kinderschutz in die Verfahren einbeziehen zu können. Weiterqualifizierung und der permanente Austausch mit Fachkollegen spielen für den Berliner Notdienst Kinderschutz eine besonders wichtige Rolle.


Schutzauftrag der Berliner Notdienst Kinderschutz (BNK)

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Schutzauftrag bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung

Die Aufgabe des Kinder- und des Jugendnotdienstes, als sozialpädagogische Einrichtung des Berliner Notdienst Kinderschutz (BNK), ist die Inobhutnahme und Betreuung von Kindern und Jugendlichen bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres gemäß § 42 SGB VIII, die meist akut von einer Kindeswohlgefährdung betroffen sind. Der Arbeitsauftrag bezieht sich auf ein „rund-um-die-Uhr-Angebot“ für die ganze Stadt, das an 365 Tagen des Jahres zur Verfügung steht. Die Trägerschaft für den BNK hat das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin. Die Aufgabenstellung der Jugendämter, Schutz vor Vernachlässigung, Misshandlung und anderen Gefährdungen zu gewährleisten, wird immer dann durch den Berliner Notdienst Kinderschutz stellvertretend wahrgenommen, wenn die zuständigen Jugendämter nicht oder nicht rechtzeitig zu erreichen sind.

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Derr Schutzauftrag

Am 01.10.2005 trat das Gesetz zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe (KICK = Kinder- und Jugendhilfeweiterentwicklungsgesetz) in Kraft. Mit dem "Schutzauftrag" der Kinder- und Jugendhilfe bei Gefährdungen des Kindeswohls soll ein effektiverer Schutz des Kindeswohls insbesondere durch:

– die Konkretisierung des Schutzauftrags des Jugendamtes (§ 8a SGB VIII),
– die Neuordnung der vorläufigen Maßnahmen bei
   Krisenintervention (§ 42 SGB VIII),
– eine stärkere Berücksichtigung des Kindeswohls beim
   Sozialdatenschutz (§§ 61 ff. SGB VIII) und
– der verschärften Prüfung von Personen mit bestimmten
   Vorstrafen (§ 72a SGB VIII)

erreicht werden.

Der Schutz von Kindern und Jugendlichen bei Gefahren für ihr Wohl soll verbessert und es sollen bestehende Hilfeleistungen dadurch optimiert werden, dass Gefahrensituationen früher erkannt werden. Durch verbindliche Absprachen der (interinstitutionellen) Zusammenarbeit, soll grade bei akuten Krisen, der Verfestigung von Gefährdungslagen für das Kindeswohl entgegengewirkt werden.

Es traten auch Neuerungen in Kraft, in denen Fachkräfte freier (privat-wirtschaftlicher) Träger in besonderer Weise verpflichtet werden, bei Hinweisen auf Gefährdungen für das Wohl von Kindern und Jugendlichen tätig zu werden. Der § 8a SGB VIII* benennt die Rahmenbedingungen fachlichen Handelns und auf welche Weise Fachkräfte die Trägern der öffentlichen und freien Jugendhilfe bei der Wahrnehmung ihrer jeweils individuellen Aufgaben mit gewichtigen Anhaltspunkten für eine Kindeswohlgefährdung umzugehen haben. Auf der anderen Seite beinhalten diese Regelungen eine Fülle von unbestimmten Rechtsbegriffen, die von juristischer und pädagogischer Seite einzugrenzen und fachlich einzuordnen sind.

Zum einen handelt es sich bei § 8a SGB VIII* um eine Verfahrensvorschrift (z. B. die Regelungen zum Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte, zur Beteiligung der Personensorge- oder Erziehungsberechtigten und der Kinder/Jugendlichen, zur Informationsweitergabe vom Träger der freien an den Träger der öffentlichen Jugendhilfe). Zum anderen beinhaltet die Vorschrift auch konkrete eigenständige Aufgaben, so etwa zur Abschätzung des Gefährdungsrisikos, zur Anrufung des Familiengerichts oder zur Einschaltung anderer zuständiger Stellen außerhalb der Kinder- und Jugendhilfe. Außerdem enthält § 8a Aussagen zur Inobhutnahme nach §42 Abs.3 Satz 2 SGB VIII. Zur Erfüllung des Schutzauftrages wird das Jugendamt gem. § 8a SGB VIII* Abs. 1 tätig, wenn so genannte „gewichtige Anhaltspunkte“ für die Gefährdung des Wohls eines Kindes oder eines Jugendlichen bekannt werden. Die Jugendämter sind in einem solchen Fall angehalten, im Sinne einer retrospektiven Gesamtschau, Informationen und Anhaltspunkte zu beurteilen und das Gefährdungsrisiko abzuschätzen (vgl. Meysen/Schindler 2004, S. 449 ff.).

Die Abschätzung des Gefährdungsrisikos soll dabei nicht in der alleinigen Verantwortung einer bzw. der fallverantwortlichen Fachkraft im Jugendamt (bzw. bei einem Träger von Einrichtungen und Diensten) liegen, sondern es wird ausdrücklich bestimmt, dass diese Aufgabe „im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte“ zu leisten ist. In diesen Prozess sollen auch die Personensorgeberechtigten und das Kind/der Jugendliche einbezogen werden.

Mit der Konkretisierung des Schutzauftrages bekommen strukturierte Verfahren der Risikoeinschätzung eine neue Gewichtung und die verpflichtende Regelung zum Einbezug einer oder mehrerer Fachkräfte trägt dazu bei, die Klärungs- und Einschätzungsphase bei Hinweisen auf Gefährdungen zu strukturieren und sich standardisierten Qualitätsmaßstäben anzunähern. Durch die besondere Verpflichtung der Übernahme des Schutzauftrags für Fachkräfte freier Träger – und der damit verbundenen Aufforderung zu einer (zunächst) selbstständigen Abschätzung des Gefährdungsrisikos und der Vermittlung von Hilfsangeboten – kann die Methode der Fall- bzw. Hilfekonferenz auch hier wirksam sein, zumal die erarbeiteten und dokumentierten Ergebnisse als Grundlage für Entscheidungen im Hilfeplanverfahren (gem. § 36 SGB VIII) dienen können. Das Gesetz sieht ausdrücklich die Hinzuziehung einer „insoweit erfahrenen Fachkraft“ vor. (vgl. Der Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung - Arbeitshilfe zur Kooperation zwischen Jugendamt und Trägern der freien Kinder- und Jugendhilfe. Münster, Institut für soziale Arbeit 2006.)
*§ 8a SGB VIII
(1) Werden dem Jugendamt gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines Kindes oder Jugendlichen bekannt, so hat es das Gefährdungsrisiko im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte abzuschätzen. Dabei sind die Personensorgeberechtigten sowie das Kind oder der Jugendliche einzubeziehen, soweit hierdurch der wirksame Schutz des Kindes oder des Jugendlichen nicht in Frage gestellt wird. Hält das Jugendamt zur Abwendung der Gefährdung die Gewährung von Hilfen für geeignet und notwendig, so hat es diese den Personensorgeberechtigten oder den Erziehungsberechtigten anzubieten.
 
(2) In Vereinbarungen mit den Trägern von Einrichtungen und Diensten, die Leistungen nach diesem Buch erbringen, ist sicherzustellen, dass deren Fachkräfte den Schutzauftrag nach Absatz 1 in entsprechender Weise wahrnehmen und bei der Abschätzung des Gefährdungsrisikos eine insoweit erfahrene Fachkraft hinzuziehen. Insbesondere ist die Verpflichtung aufzunehmen, dass die Fachkräfte bei den Personensorgeberechtigten oder den Erziehungsberechtigten auf die Inanspruchnahme von Hilfen hinwirken, wenn sie diese für erforderlich halten und das Jugendamt informieren, falls die angenommenen Hilfen nicht ausreichend erscheinen, um die Gefährdung abzuwenden.
 
(3) Hält das Jugendamt das Tätigwerden des Familiengerichts für erforderlich, so hat es das Gericht anzurufen; dies gilt auch, wenn die Personensorgeberechtigten oder die Erziehungsberechtigten nicht bereit oder in der Lage sind, bei der Abschätzung des Gefährdungsrisikos mitzuwirken. Besteht eine dringende Gefahr und kann die Entscheidung des Gerichts nicht abgewartet werden, so ist das Jugendamt verpflichtet, das Kind oder den Jugendlichen in Obhut zu nehmen.
 
(4) Soweit zur Abwendung der Gefährdung das Tätigwerden anderer Leistungsträger, der Einrichtungen der Gesundheitshilfe oder der Polizei notwendig ist, hat das Jugendamt auf die Inanspruchnahme durch die Personensorgeberechtigten oder die Erziehungsberechtigten hinzuwirken. Ist ein sofortiges Tätigwerden erforderlich und wirken die Personensorgeberechtigten oder die Erziehungsberechtigten nicht mit, so schaltet das Jugendamt die anderen zur Abwendung der Gefährdung zuständigen Stellen selbst ein.
Für die Erfüllung des Schutzauftrages braucht es deshalb auch:
  • fachlich gut qualifiziertes Personal, eine angemessene finanzielle und materielle Ausstattung, eine angemessene Fallzahl (z.B. max. 50)
  • ein verlässliches, kontinuierliches Zusammenwirken aller Beteiligten
  • eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen
  • deutliche Statements und Maßnahmen zum Kinderschutz aus der Politik, die behördenübergreifend umgesetzt und finanziell unterlegt sind
  • eine respektvolle Haltung gegenüber den Eltern unter Anerkennung ihrer Erziehungsverantwortung
  • Respekt und Akzeptanz der betroffenen Kinder, Jugendlichen und Eltern
  • eine ermutigende Beteiligung der Eltern, Kinder und anderer der Familie nahestehender Personen, um an einer Lösung mitzuwirken sowie die Berücksichtigung ihrer Wünsche, Meinungen und Lösungsvorschläge. Die Verantwortung für die Lösung des Problems hat die Familie. Die Verantwortung, das Kindeswohl zu sichern, hat das Jugendamt/Familiengericht, wenn die Eltern dies nicht tun.
  • in Kinderschutzfällen müssen Mindestanforderungen (was darf nicht passieren) der Familie gegenüber klar benannt werden
  • Anerkennung der Maxime: jedes Kind ist einzigartig und der beste Platz zum Aufwachsen ist eine gute Familie
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Berlineinheitliche Verfahrensstandards

Zur Sicherstellung der berlineinheitlichen Verfahrensstandards wurden Ausführungsverordnungen geschaffen. Neben der Erreichbarkeit der Jugendämter und des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes sind Regelungen zur Verwendung der entwickelten Instrumente, die Festlegung des Vier-Augen-Prinzips und die vorgeschriebene Reaktionszeit, sowie die Durchführung von Vor-Ort-Besuchen und Regelungen für die Abgabe von Kinderschutzfällen beschrieben.

Weitere Informationen:
www.kinderschutznetzwerk-berlin.de
schutzauftrag_bei_kindeswohlgefaehrdung.pdf

Staatliches Wächteramt

Dieser gesetzliche Schutzauftrag als Kernaufgabe der Sozialpädagogischen Dienste und die damit verbundene Funktion des staatlichen Wächteramtes leiten sich unmittelbar von Art. 6 GG ab und schließt auch die Erstversorgung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge mit ein. Die Sicherstellung des Kindeswohls ist sowohl Bestandteil der elterlichen Erziehungsverantwortung gemäß Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG als auch Teil des staatlichen Wächteramtes gemäß Art. 6 Abs. 2 Satz 2 GG. Nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit sind die notwendigen Maßnahmen zum Schutz eines Kindes oder Jugendlichen zu ergreifen, die sich auch kurzfristig gegen die elterliche Erziehungsautonomie richten können. Die rechtsverbindliche Einflussnahme auf die elterliche Erziehungsverantwortung ist, sofern das zuständige Jugendamt nicht tätig werden kann, die Kernaufgabe des Berliner Notdienst Kinderschutz. Die ausgeübte Schutzfunktion steht grundsätzlich im Spannungsfeld zwischen effektivem Kinderschutz und Elternautonomie. Wenn möglich sollte hierüber auch während der Krisenintervention eine einvernehmliche und gemeinsame Lösung gefunden werden. Die Erfassung und Bewertung gewichtiger Anhaltspunkte zur Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung sind die zentralen Aspekte der Arbeit. Es kommt darauf an, zur Klärung einer ‚benannten Situation’ die notwendigen Informationen zu erhalten bzw. einzuholen, diese fachlich im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte einzuschätzen und die Wahl der geeigneten und verhältnismäßigen Mittel zur Gefahrenabwehr zu treffen. Zur Einschätzung der Gefährdung ist ein ausführliches Gespräch mit den Eltern und, wenn vom Alter her möglich, mit dem Kind oder Jugendlichen besonders wichtig. Die Beteiligung der Kinder und Eltern sowie die Einschätzung der Kooperationswilligkeit und -fähigkeit der Eltern sind von entscheidender Bedeutung für das weitere Vorgehen. Neben den Berliner Jugendämtern sind der Kinder-, Mädchen- und der Jugendnotdienst, die zur Inobhutnahme befugten Dienststellen des Landes Berlin.


Eingriff in das Elternrecht

Der Balanceakt zwischen einem notwendigen Eingriff in das Elternrecht zum Schutz eines Kindes durch eine Inobhutnahme – im Sinne einer Gefahrenabwehr – und der Chance und Notwendigkeit, einen Hilfekontakt zur Unterstützung der Eltern zu beginnen und in Gang zu setzen, stellt hohe Anforderungen an die Ausübung des Wächteramtes und an die Ausführenden dieser Krisenintervention. Gerade bei der Informationsgewinnung zur Gefährdungseinschätzung (Pflichtaufgabe) gilt es, Widerstand und Abwehr zu vermeiden oder abzubauen, um den weiteren Beratungsprozess und eine Inanspruchnahme von Hilfen nicht zu gefährden. Die Notdienste nehmen in diesen Fällen die Funktion der sozialpädagogischen Krisenintervention wahr und versuchen einen Weg zum weiteren Hilfeprozess im örtlich zuständige Jugendamt – zum fallführenden Sozialarbeiter – zu begleiten. In allen Fällen von Inobhutnahmen durch die Notdienste ist grundsätzlich zu prüfen, inwieweit die Sorgeberechtigten bei der bestehenden Konfliktlage zwischen ihnen und dem Minderjährigen an der Ausübung des Sorgerechts gehindert sind. In den Fällen, in denen Minderjährige nicht rechtlich vertreten sind, wird die Sorge um das Wohl des Kindes oder Jugendlichen in öffentlich-rechtlicher Verantwortung ausgeführt (z.B. wenn die elterliche Zustimmung für eine dringend erforderliche ärztliche Behandlung fehlt).
 
Die aktive Einbeziehung und Beteiligung der Kinder und der Eltern spielt sowohl bei der Lösungsfindung als auch bei der Nachhaltigkeit dieser Lösung eine eminent wichtige Rolle. Hierbei wird das Familienumfeld bei der Lösungssuche einbezogen, soweit dies möglich ist.
 
Im Zusammenhang mit einer notwendigen Inobhutnahme sichert der Berliner Notdienst Kinderschutz den Aufenthalt von Kindern und Jugendlichen in den entsprechend geeigneten Standorten.


Standorte
Zum Berliner Notdienst Kinderschutz gehören sechs Aufgabenschwerpunkte, die an drei Standorten zur Verfügung stehen:
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No 1


Kindernotdienst Tel.: 61 00 61
Hotline-Kinderschutz Tel.: 61 00 66
Gitschiner Str. 48/49 – 10969 Berlin

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No 2


Jugendnotdienst Tel.: 61 00 62
Mädchennotdienst Tel.: 61 00 63
Fachstelle BNK Tel.: 61 00 69 56
Mindener Str. 14 – 10589 Berlin

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No 3


Kontakt- und Beratungsstelle Tel.: 61 00 68 00
Sleep In Tel.: 61 00 68 17
Fasanenstraße 91 – 10623 Berlin


Über die Arbeit im Kinderschutz

Dilemma vorprogrammiert - über die Arbeit im Kinderschutz

Häufig sind wir Grenzgänger. Wir arbeiten an der Grenze zwischen Angeboten und Interventionen, zwischen Unterstützung für Eltern, damit die Kinder und Jugendlichen weiterhin zu Hause bleiben können und Inobhutnahme, damit der Schutz der Minderjährigen erst einmal gesichert ist. Diese Arbeit ist ein hochkomplexer und sensibler Balanceakt, der verschiedene Akteure auf und hinter der Bühne braucht. Für diesen Balanceakt braucht es große Professionalität, Zuversicht, Geduld, Nerven, ein stabiles Netz und darüber hinaus Engagement und Mut. Stress, Zeitnot, Angst-etwas-zu-übersehen, ein großer Verwaltungsapparat, Überforderung und Personalmangel hingegen sind für Fachkräfte und Klienten gleichsam bedrohlich.


Die gemeinsame Erarbeitung von Handlungsstandards

 - die Verständigung über „gewichtige Anhaltspunkte“ der Gefährdungen, die Weiterbildung von Fachkräften nach § 8a Abs. 2, SGB VIII, neue Formen der intensiven Einbeziehung der Eltern, ressortübergreifende Kinderschutzkonferenzen und Fachtage, Fortbildungen und Supervisionen, kollegiale Fallbesprechungen und vieles mehr, waren für die Jugendhilfe in den letzten Jahren wichtige Schritte und bleiben es weiterhin.

Kinderschutzkonzepte, Netzwerke und die Angebote der Frühen Hilfen helfen die Gefährdungslagen von Kindern und Jugendlichen frühzeitiger zu erkennen und zu minimieren. Eine Verhinderung von Kinderschutzfällen ist bestenfalls im Einzelfall, aber nie absolut möglich!

Erfolge geraten unverzüglich ins Wanken, wenn es wieder aktuell passiert: ein Kind wird misshandelt, vernachlässigt, kommt zu Schaden , stirbt. Die Medien berichten. Sofort kommt die Frage auf: Wo war das Jugendamt? Was haben die Behörden gewusst, wer hat was getan? Wer hat die Schuld?

Die Fragen sind legitim. Legitim bleibt aber auch der Hinweis, dass nicht die Feuerwehr am Brand schuld ist, nicht die Versicherung am Schaden und nicht die Jugendhilfe an der Kindesmisshandlung.

Natürlich muss gewährleistet sein, dass die Feuerwehr über genügend Personal, Fachwissen und Löschfahrzeuge verfügt und alle Geräte stets gewartet sind. Und natürlich muss auch die Jugendhilfe über ausreichende und qualifizierte Personaldecke verfügen, sonst ist eine gute Arbeit nicht möglich.

Einschätzungen, Prognosen und Entscheidungen gehören zur täglichen Kinderschutzarbeit. Es gibt unvorhergesehenes und unkalkulierbares Verhalten von Menschen, mit dem wir zu tun haben. Manchmal können wir für uns selbst schwer voraussagen, wie wir reagieren werden. Oder wir nehmen uns etwas vor und bekommen es nicht hin, uns daran zu halten. Prognosen können dadurch falsch sein. Hier bringen uns allenfalls Fehleranalysen weiter. Dann muss Verantwortung von denen übernommen werden, die tatsächlich für den Fehler oder auch für eine fehlerhafte Struktur verantwortlich sind. Eine fehlerhafte Struktur besteht auch dann, wenn eine zugewiesene oder zu erfüllende Aufgabe so angelegt ist, dass sie nicht erfüllt werden kann.


Lebensbedingungen und Risikofaktoren für Kinder und Jugendliche

Die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache: Die Zahl erwerbsloser Eltern liegt z. Zt. bei ca. 20%. Mehr als ein Drittel der Familien fallen unter die Armutsgrenze. In 46% der Familien gibt es nur einen Elternteil, meist die Mutter. Im Vergleich zu Eltern, die in einer Partnerschaft leben, sind Alleinerziehende einer erhöhten Belastung, einem deutlich höheren Armutsrisiko und einem höheren Gesundheitsrisiko ausgesetzt. 861 »Tafeln« versorgen nach Angaben ihres Bundesverbandes inzwischen etwa eine Million Menschen mit Nahrung. 1,753 Millionen Kinder im Alter von unter 15 Jahren, das sind 15,7 Prozent aller Kinder in Deutschland, leben in sog. SGB II-Bedarfsgemeinschaften (HartzIV). Der Anteil der Kinder, deren Mütter und/oder Väter auf Arbeitslosengeld II angewiesen waren, lag im Dezember 2009 mit 36,2 Prozent in Berlin im Bundesdurchschnitt am höchsten.

Immer mehr Minderjährige haben psychische Probleme, flüchten aus der Realität, konsumieren Suchtmittel, wie Alkohol, Drogen, Computerspiele, vernachlässigen die Schule, entziehen sich dem Unterricht stundenweise oder bleiben der Schule ganz fern.

Auch die stetig steigende Zahl depressiver, süchtiger oder psychisch erkrankter Eltern ist alarmierend. Etwa 500 000 Minderjährige leben deutschlandweit mit einem psychisch kranken Elternteil zusammen. Um gesund aufwachsen zu können, brauchen Kinder gezielte Unterstützung. Als direkte Angehörige eines erkrankten Elternteils steht ihnen diese Hilfe zu – aber nur selten steht sie ihnen tatsächlich zur Verfügung!

Die Aufzählung von Gefährdungen, die Kinder und Jugendliche stark belasten, ist bei Weitem nicht vollständig, gibt aber deutliche Hinweise auf die vielfältig prekäre Lebenssituation und Risiken, denen Kinder und Jugendliche ausgesetzt sind.

Alle Eltern, völlig unabhängig von eigenen belastenden oder stärkenden Biografien, brauchen unterstützende Strukturen, um der Aufgabe „Kinder groß zu ziehen“ gerecht zu werden. Die Einzigartigkeit eines jeden Kindes, jeder Familie, die persönliche Lebensart und die familiären Lösungswege in Krisen, dürfen bei der Erfüllung des Schutzauftrages nicht außer Acht gelassen werden.

Aus dem Blick geraten darf dabei nicht, unter welchen gesellschaftlichen, ökonomischen und strukturellen Rahmenbedingungen wir leben und arbeiten. Soziale Arbeit, unsere Arbeit mit den Familien kann nur dann nachhaltig erfolgreich gelingen, wenn dies von der Politik auch strukturell so anlegt und wirklich gewollt ist. Hier tragen Politikerinnen und Politiker eine große Verantwortung. Es ist deutlich zu erkennen, dass die Belastungs- und Risikofaktoren in den Familien weiterhin massiv steigen werden!


Wie begegnen wir den zeitgenössischen Entwicklungen

 - wie zum Beispiel der sich auflösenden traditionellen Familienform, der strukturellen Arbeitslosigkeit, der spezifischen Problematik einer Migrationsgesellschaft, den steigenden Ausbildungs- und Arbeitsmarktanforderungen, den massiven ökonomischen Risiken, einer stetig steigenden Anzahl von Menschen, die vom gesellschaftlichem Abstieg und Ausgrenzung betroffen sind? Wie gehen wir mit dem Wissen darüber um, dass bereits Kinder im Grundschulalter sich abgeschrieben fühlen und keine Hoffnung haben, später über eine gute Schulbildung und Geld zu verfügen. Sie benennen selbst, dass sie von Chancengleichheit und einer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen sind!

Eine angemessene personelle und materielle Ausstattung von Schulen, Kitas, Freizeitangeboten, Unterstützungsangeboten im Jugendhilfe- und Gesundheitsbereich, ist - weiterhin - nicht in Sicht.

Es besteht weiterhin ein gesellschaftspolitischer Handlungsbedarf. Allen empirischen Erkenntnissen über die Auswirkungen und Folgen von Benachteiligung, Chancenungleichheit, Ausgrenzung, Gesundheitsrisiken und Vernachlässigung zum Trotz wird in Deutschland nachhaltig an der Zukunft gespart: an unseren Kindern und Jugendlichen.

Thema Häusliche Gewalt

Häusliche Gewalt bezeichnet,

unabhängig vom Ort, Gewalthandlungen zwischen Erwachsenen, die entweder in einer partnerschaftlichen Beziehung leben, deren Beziehung sich in Auflösung befindet, die schon getrennt sind oder die in einer verwandtschaftlichen Beziehung zueinander stehen. In Deutschland suchen nach Schätzungen der Frauenhäuser jährlich 45.000 Frauen mit ihren Kindern ein Frauenhaus auf. Viele von häuslicher Gewalt betroffene Frauen haben Kinder, die in besonderer Weise geschützt und unterstützt werden müssen, weil ihr physisches und psychisches Wohlergehen ebenfalls erheblich gefährdet ist. In der Mehrzahl der Fälle, in denen ein Elternteil, in der Regel die Mutter, durch einen Partner misshandelt wird, sind die Kinder anwesend oder in der Nähe, d.h. sie erleben die Gewalt direkt oder indirekt mit. Die selbst erlebte oder beobachtete Gewalt hat unterschiedliche Auswirkungen auf die betroffenen Kinder. Das Miterleben kann zu Beeinträchtigungen der emotionalen, körperlichen und kognitiven Entwicklung führen bis hin zu traumatischen Schädigungen. Das Aufwachsen in einer Atmosphäre häuslicher Gewalt bedeutet eine nachhaltige Gefährdung für das Kindeswohl.


Kooperation und präventive Arbeit zum Thema

Der Berliner Notdienst Kinderschutz hat seit vielen Jahren Erfahrungen mit Kindern und Jugendlichen, die häusliche Gewalt erlebt haben. Seit Beginn des Modellprojektes Berliner Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt (BIG), arbeitete der Kindernotdienst, jetzt der Berliner Notdienst Kinderschutz, in verschiedenen Arbeitsgruppen mit und kooperiert mit den Unterstützungsprojekten für die betroffenen Frauen, Kinder und Jugendliche.


Erfassung von Fällen häuslicher Gewalt

Seit 2002 erfasst der Kindernotdienst (KND) systematisch Fälle von häuslicher Gewalt. In der Mehrzahl der Fälle, in denen meist die Mutter durch einen Partner misshandelt wurde, haben die Kinder die Tat direkt oder indirekt miterlebt. Viele waren nach der Tat traumatisiert.

Größere Kinder und Jugendliche verlieren häufig bei anhaltender häuslicher Gewalt den Respekt vor den Eltern: vor dem gewalttätig Agierenden, der sich nicht unter Kontrolle hat und vor dem Gewaltbetroffenen, der sich demütigen lässt, der unfähig zu konsequentem Handeln ist und die Kinder nicht schützen kann oder konnte. Eine Gewaltbeziehung, insbesondere wenn geliebte Menschen betroffen sind, zeigt den Kindern und Jugendlichen ein höchst problematisches Rollenmodell auf.
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BIG Koordenierung

Bei häuslicher Gewalt · Hilfe für Frauen und ihrer Kinder
BIG Präventionsprojekt gegen häusliche Gewalt

BIG Prävention ist ein innovatives und praxisorientiertes Projekt zur Prävention von häuslicher Gewalt an Schulen. Es ist ein kostenfreies Angebot für die 4.-6. Grundschulklassen in Berlin, die pädagogischen Fachkräfte und Eltern.

Die Aufgaben des Projektes sind die Qualifizierung von pädagogischen Fachkräften, die Elternarbeit und die Stärkung und Aufklärung von Mädchen und Jungen. Fachwissen über Kinder und häusliche Gewalt soll vermittelt, das Thema soll enttabuisiert sowie der Schutz für Kinder und deren Mütter verbessert werden.

Das BiG Präventionsprojekt

Die Schulkinder rufen im Rahmen einer vom BiG Präventionsteam vorbereiteten Unterrichtseinheit im Kindernotdienst an. Jungen und Mädchen lassen sich in geschlechtergetrennten Gruppen zu ihren persönlichen Fragen beraten. Die Schwellenängste, sich Hilfe zu holen, werden so bei den Kindern herabgesetzt. Sie erfahren, dass sie ein Recht auf Beratung und Hilfe haben. Manchmal lassen sich Kinder nach dem Unterricht ganz persönlich beraten. In einer Evaluation der wissenschaftlichen Begleitung von BiG (WIBIG) wurde der Anruf beim Kindernotdienst als beliebtes „Highlight“ und wichtige Erfahrung von den Kindern benannt.


Danksagung

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Spendern,
die uns mit Sach- und Finanzmitteln, mit kleinen und mit großen Spenden tatkräftig unterstützt haben.
Diese Unterstützung ist für uns auf zwei unterschiedlichen Ebenen wichtig:
  1. Wir können damit Kindern, Jugendlichen und Familien in Notlagen direkt und unbürokratisch helfen. Wir haben die Möglichkeit, Spiele, Bücher, Kleidung, Bastelmaterial und andere Anschaffungen zur Verfügung zu stellen, die sonst außerhalb unseres Etats liegen.
  2. Bedeutet uns dieses Engagement deshalb so viel, weil es uns zeigt, dass Spender, Sponsoren und andere Interessierte Anteil an Notlagen der Kinder, Jugendlichen und Familien nehmen.
Wir bedanken uns bei allen, die sich aktiv für Kinder und Jugendliche einsetzen!

© 2018 Berliner Notdienst Kinderschutz